The Coming Woman – Woodhulls Leben als Roman

?????????????????????????????????????????????????????????Es gibt jetzt auch einen Roman über das Leben von Victoria Woodhull: The Coming Woman, von Karen J. Hicks. Ich hab es etwas gelangweilt gelesen, weil die literarische Qualität – naja eher so nicht vorhanden ist.

Außerdem geht es mal wieder weniger um Woodhulls politische Ideen als vielmehr um die skandalträchtige Seite ihres Lebens, und dabei nimmt auch wieder die leidige Beecher-Affäre (das ist dieser Prediger, dessen außereheliche Affären Woodhull in ihrer Zeitung publik gemacht hat, woraufhin sie im Gefängnis landete und von den Sittenwächtern der Nation übel niedergemacht wurde) den meisten Raum ein.

Keine Rolle spielt hingegen ihr sozialistisches Engagement, dass sie Sektionen der Internationale gegründet hat und eine Demo für die Opfer der Pariser Kommune mitorganisierte, wird so beiläufig erwähnt, ohne dass man versteht, warum und wieso. Auch ihre anderen politischen Ideen werden nur unter dem Aspekt “war damals außergewöhnlich” vorgestellt, aber nicht ideengeschichtlich eingeordnet oder in den zeitgenössischen Kontext wirklich eingeordnet.

Das alles ist aber nicht nur ein Manko dieses Buches, sondern fast aller US-amerikanischer Woodhull-Biografien. Da kann man es bei einem Roman fast noch eher verstehen, dass der Fokus auf der “Sex and Crime”-Schiene liegt.

Immerhin sind die Fakten größtenteils korrekt. Über weite Strecken hat sie einfach aus Originalquellen zitiert oder ist eben den einschlägigen Biografien gefolgt, vermutlich war es für mich auch deshalb so langweilig zu lesen, ich hab das alles schon gewusst. Eigentlich wäre der Reiz an so einer romanhaften Herangehensweise doch gerade gewesen, ein bisschen über die historischen Fakten hinaus dazu zu erfinden, also eine echte “Geschichte” daraus zu machen. Aber dazu hat der Autorin offenbar der Mut oder die Phantasie oder auch einfach nur die Lust gefehlt.

(Meine “Benchmark” für dieses Genre ist ja der Roman “Die Vagabundin” von Alexandra Lapierre über Fanny Oswald Stevenson, die Frau des Autors der “Schatzinsel” – super erzählt, historisch korrekt, aber dennoch eben mehr als eine Biografie, sondern ein echter “Abenteuerroman”).

PS: Das Cover-Foto verstehe ich auch nicht. Victoria Woodhull hätte sich nie mit so einer Körperhaltung hingesetzt. Jedenfalls nicht in meiner Phantasie!

Published in: on Februar 24, 2015 at 9:47 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Radiosendung über Spiritismus – feat. Vicky

Im SWR gibt es ein ausführliches Radiofeature über Spiritismus im 19. Jahrhundert, in dem auch Victoria Woodhull vorkommt:

http://swrmediathek.de/player.htm?show=cecdf6d0-9b24-11e4-a5cd-0026b975f2e6

Published in: on Januar 28, 2015 at 9:31 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Vortrag über Victoria Woodhull in Darmstadt

In der Luise-Büchner-Bibliothek in Darmstadt halte ich am 12. Februar 2015 einen Vortrag über Victoria Woodhull, kommt alle!

Näheres zu der Veranstaltung findet Ihr hier.

Published in: on Januar 11, 2015 at 10:56 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Buch über Victoria Woodhull zum Download

Das Buch von Amanda Frisken “Victoria Woodhull’s Sexual Revolution” gibt es hier als pdf zum Download:

Published in: on Januar 10, 2015 at 10:29 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Radiosendung über Victoria Woodhull

In seiner Reihe “Radio Wissen” hat der Bayerische Rundfunk ein halbstündiges Feature über Victoria Woodhull gesendet, in dem ich als “Expertin” auftrete. Es werden zwar einige Klischees bedient (Vom Tellerwäscher zum Millionär! Wie in Hollywood mit Happy End!), aber unterm Strich finde ich die Sendung ganz gut gelungen.

Etwas unerklärt bleiben die Gründe für Woodhulls “Niedergang”, der nicht nur an ihrem Streit mit Beecher lag, der ja nicht wirklich ihren Vermögensverlust erklärt. Wen es interessiert: Ihr Vermögen wurde auch zum Gutteil von ihrer vielköpfigen Familie verpulvert, denn nachdem sich die Nachricht von ihrem wirtschaftlichen Erfolg als Brokerin landesweit herumsprach, kamen alle möglichen Geschwister samt Familien und ihr alkoholkranker Ex-Mann nach New York und quartierten sich bei ihr ein. So viel Geld konnte sie gar nicht verdienen, wie die ausgaben.

Und dann schrieb Victorias Mutter Annie auch noch einen Erpresserbrief an Cornelius Vanderbilt, der ja Haupt-Sponsor und Förderer von Woodhulls Wall-Street-Aktivitäten war. Der hatte daraufhin die Faxen dicke und entzog seine Unterstützung.

So: Beecher war zwar ein Blödmann, aber an allem Schuld war er dann doch nicht :)

Hier ist der Link zur Sendung: http://www.ardmediathek.de/radio/radioWissen-Bayern-2/Victoria-Woodhull-Frauenrechtlerin-jen/Bayern-2/Audio-Podcast?documentId=22323544&bcastId=5945518

Published in: on Juli 20, 2014 at 10:44 vormittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Victoria, wieder mal ganz unkommunistisch

Heute sah ich diesen Dokumentarfilm über Victora Woodhull, der 1995 im US-amerikanischen Fernsehen lief und 2007 als DVD herauskam. Und wieder (wie auch schon bei den meisten amerikanischen Biografien über sie) wundere und ärgere ich mich darüber, dass ihre politische Agenda ganz auf Frauenwahlrecht und freie Liebe reduziert wird.  Gloria Steinem – die unter anderem zu Woodhull interviewt wird – erwähnt nur einmal in einem Nebensatz, dass sie die erste war, die das Kommunistische Manifest in den USA publiziert hat, aber das war’s auch schon.

Kein Wort von ihrem Engagement in der Ersten Internationale  (Woodhull war die Gründerin der ersten US-amerikanischen Sektion, vorher hatte es nur europäische “Einwanderersektionen” gegeben), kein Wort über die Kontroverse zwischen ihr und den deutschen Marxisten (auf deren Betreiben sie und ihre Sektion 1972 beim Haager Kongress aus der Internationale ausgeschlossen wurde). Kein Wort über die große Demonstration von über zehntausend Menschen, die sie zum Gedenken an die Opfer der Zerschlagung der Pariser Kommune mitorganisiert hat. Kein Wort über ihre wirtschaftspolitischen Texte, zum Beispiel die Reihe “Papers on Labor and Capital”.

Das ist schade, weil dieser Aspekt für Woodhulls politisches Denken zentral ist. Und meiner Ansicht auch ein wichtiger Grund dafür, dass sich zahlreiche Frauenrechtlerinnen oder andere amerikanische Reformer von ihr distanziert haben. Vielleicht ist die “kommunistische Victoria” auch deshalb in Amerika bis heute nicht im Blick, weil kommunistische Ansichten dort auch heute noch skandalös sind, währen ihr Eintreten für Frauenwahlrecht und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen inzwischen Mainstream geworden sind?

Nicht einverstanden war ich auch mit Gloria Steinems ständiger Betonung auf Woodhulls “Mut”. Ich denke, das ist eine bürgerliche Sichtweise. Für eine nach bürgerlichen Geschlechternormen erzogene Frau wäre es sicherlich außerordentlich “mutig” gewesen, auf großer öffentlicher Bühne unbeliebte Ansichten zu vertreten. Aber Victoria Woodhull kam aus der Unterschicht, sie war es von klein auf nicht nur gewohnt, sich öffentlich zu streiten, sondern war auch schon als Kind von ihren Eltern als “Wunderpredigerin” vermarktet worden, das heißt, sie verdiente schon als Kind Geld damit, öffentliche Reden zu halten.

Die beiden Punkte gehören natürlich zusammen. Das Besondere an Victoria Woodhull war nicht, dass sie für das Frauenwahlrecht und für freie Liebe war, das waren viele andere auch. Das Besondere an ihr war, dass sie ganz direkt aus dem “Lumpenproletariat” kam und sich bemüht hat, ihre Unterschichtserfahrungen in einen bürgerlichen politischen Reformdiskurs einzubringen. “Freie Liebe”, “Wahlrecht” und “Kapitalismusanalyse”, wenn man so will, gehören bei ihr untrennbar zusammen.

Schade, dass das in den USA immer noch nicht gesehen wird.

Published in: on Januar 22, 2012 at 9:13 nachmittags  Comments (4)  

Schlampen in der Politik!

Derzeit wird ja – morgen ist Slutwalk – heftig über den Begriff der „Schlampe“ diskutiert, und die verschiedenen Wortbedeutungen sind aufschlussreich. Ich habe meinen Kommentar zu den Slutwalks schon hier veröffentlicht, außerdem empfehle ich zur Lektüre die Glosse von Luise Pusch dazu. 

An dieser Stelle möchte ich noch darauf hinweisen, dass neben den Bedeutungen „sexuell aufreizend“ und „unordentlich, ungepflegt“ auch noch die Bedeutung von „eine Frau, die beansprucht, in die Politik zu gehen“ eine Rolle spielt.

Ein besonders schönes Beispiel ist dieses Zitat, das von Harriet Beecher-Stowe, der Autorin von „Onkel Toms Hütte“, gegen das Vorhaben von Victoria Woodhull vorgebracht wurde, die im Jahr 1872 mit einer Aufsehen erregenden Kampagne ihre Kandidatur für die Präsidentschaft der USA angekündigt hat. Beecher-Stowe kritisierte Woodhulls Initiative mit den Worten:

Wer immer auch Präsident der Vereinigten Staaten werden will, muss sich darauf einstellen, dass sein Charakter in Stücke gerissen wird, dass er verletzt, geschlagen und mit Schmutz überzogen wird von jedem unflätigen Blättchen im ganzen Land. Keine Frau, die nicht wie ein alter Putzlumpen durch jede Gosse und jedes dreckige Wasserloch gezogen werden will, würde jemals einer Kandidatur zustimmen. Es ist eine Qual, die einen Mann umbringen kann. Was für ein unverschämtes Luder von einer Frau muss das sein, die so etwas aushält, ohne dass es sie umbringt?

Ich weiß leider gerade nicht, wie das Wort im englischen Original heißt, aber ich denke „Schlampe“ und „Luder“ ist hier relativ wesensverwandt.

Das Hauptproblem, das die bürgerliche Frauenbewegung mit Victoria Woodhull hatte: Sie war nicht „respektabel“ – was sozusagen das Gegenteil von „schlampig“ ist. Sie kam aus der Unterschicht, sie war nicht „ehrbar“, sie trat ein für freie Liebe und sexuelle Selbstbestimmung. Und sie schrieb ihre Briefe nicht auf Briefpapier, sondern auf ihrendwelche Zettel. Insofern schließt sich hier der Kreis zwischen den verschiedenen Bedeutungen von „Schlampe“.

Denn so unterschiedlich, wie die verschiedenen Konnotationen des Wortes auch sein mögen, so haben sie doch eines gemeinsam: Sie bezeichnen „unordentliche“ Frauen, also solche, die sich der althergebrachten Ordnung dessen, was weiblich sei, widersetzen. Schlampen beziehen Freiheit auch auf ihre Sexualität, sie sind „unordentlich“ in dem Sinne, dass sie überlieferte Rollenvorgaben verweigern, und – und das ist der Punkt – sie beanspruchen, trotzdem Politik zu machen!

Published in: on August 12, 2011 at 12:54 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Die Arianna Huffington der 1870s…

In einem neuen Buch scheint es weiteres Quellenmaterial aus Victoria Woodhulls Zeitung, dem “Woodhull and Claflin’s Weekly” zu geben: Robin Blackburn: An Unfinished Revolution. Karl Marx and Abraham Lincoln (Verso 2011). In seiner Besprechung schreibt Michael Patrick Brady:

Blackburn’s writing is taut, intelligent, and compelling. He packs an astonishing amount of information into a scant hundred pages, providing a fresh and powerful look at Civil War politics and social issues. An Unfinished Revolution is also valuable for its large appendix of primary sources, which includes not only relevant writings and lectures by Lincoln and Marx, but also scene-setting excerpts from Thomas Fortune’s classic Black and White and articles from the Woodhull & Claflin Weekly. Blackburn provides an amusing characterization of the latter publication’s editor, Victoria Woodhull, a free-loving, controversial progressive activist who the author calls “the Arianna Huffington of the 1870s.”

Bleibt nur die Frage: Wer ist Arianna Huffington?

(Nur, damit es keine Missverständnisse gibt, ich weiß natürlich, wer Arianna Huffington ist. Ein schmeichelhafter Vergleich jedenfalls – für beide Seiten!)

Published in: on Juni 18, 2011 at 3:17 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  

“Victoria Woodhull, der größte Humbug Amerika’s”

In der aktuellen Ausgabe von „Die Krake“, einem von den Polytanten herausgegebenen “Käseblatt” (Selbstbezeichnung), gibt es eine wunderbare Zusammenfassung des Lebens von Victoria Woodhull, die ich allen empfehle, denen ein ganzes Buch darüber zu dick zum Lesen ist.

In diesem Zusammenhang hat die Redaktion auch einen Artikel aus der Allgemeinen Illustrirten Zeitung, Land und Meer (Nr. 44, 1872) ausgegraben, der nicht nur zum Lachen ist, sondern auch sehr aufschlussreich. Denn er führt das Ausmaß vor Augen, in dem Frauen (und explizit auch andere „Andere“) früher für inkompatibel mit den demokratischen politischen Institutionen der weißen Männer gehalten wurden. Er zeigt auch, dass dieser Ausschluss der „Anderen“ nicht einfach ein kleiner, nebensächlicher Geburtsfehler des demokratischen Parlamentarismus war (der durch einen Akt großzügig gewährter „Gleichstellung“ mal eben behoben werden könnte), sondern dass diese Abgrenzung und dieser Ausschluss wesentlich für die Konstitution von weißer Männlichkeit gewesen ist. Hier ist der Artikel:

Um den dießmaligen Wahlkrieg besonders romantisch zu gestalten, wird auch das ewig Weibliche seinen Antheil daran haben. Zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten und der Welt wird nämlich die „große“ Partei der politischen Frauenemanzipation mit fliegenden Fahnen in der Arena des Wettbewerbs um die Besetzung des höchsten aller öffentlichen Aemter erscheinen. Auch „unsere lieben Frauen“ von dem neuen Evangelium der politischen Wiedergeburt dieses Landes durch Zulassung des schönen Geschlechts zum Stimmkasten haben unter Assistenz einer Anzahl männlicher Geschlechtsgenossinnen ihre Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten aufgestellt. Das Meeting in der new-yorker Apollohalle (Steinway hatte seinen berühmten Konzertsaal den Amazonen verweigert), in der dieß vor Kurzem geschah, war vielleicht das Heiterste und Originellste, was selbst hier zu Lande in dem Paradies des freien Versammlungswesens noch je geboten worden. Nachdem ein junges, sehr zierliches Mädchen eine Eröffnungshymne gesungen und die durch Entschiedenheit im Auftreten ungleich mehr als durch Anmuth und Jugend imponirenden Hauptheldinnen des Tages, durchgehend mit kurzgeschorenen Haaren, nebst verschiedenen, das Haar meistens in langer Wellenfülle à la Liszt tragenden männlichen Bekennern ihrer Doktrin, die Estrade gefüllt, hielt ein Richter Carter von Ohio eine Rede, welche von „Humanität“, „gleichen Rechten“, „schwesterlicher Neigung“ und „brüderlicher Liebe“ förmlich überströmte. Nach ihm trat Frau Spears von Boston auf und kündigte unter ungeheurem Jubel der Anwesenden an, dass die Hauptsache die sei, ein Präsidentschafts-Ticket (Kandidatenliste) aufzustellen, und dass sie ein solches in Petto habe. Es solle den Namen „Frauen-, Neger- und Arbeiter-Ticket“ führen und die Namen Victoria Woodhull, einst Wunderdoktorin und Abenteurerin in westlichen Städten, jetzt nebst ihrer Schwester Tennessee Claflin Inhaberin eines new-yorker Wechselkomptoirs und Verfechterin der freien Liebe par excellence, dabei Spiritualistin und zugleich „Humbugerin“ vom reinsten Wasser – Victoria Woodhull der erste weibliche Präsident der Vereinigten Staaten! Neben ihr als zweiter Würdenträger der talentvolle, farbige Fred Douglas, seit Jahren das Paradepferd Aller, welche die geistige Überlegenheit der kaukasischen Rasse über die äthiopische für eine (nur) von schändlicher Selbstsucht diktierte Erfindung der Weißen erklären…“

Published in: on Juni 2, 2011 at 12:17 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  

Warhol meets Woodhull

Meik Krick, ein befreundeter Künstler der vor allem mit Pop Art Remix arbeitet, hat gerade diese schöne Begegnung zwischen Victoria Woodhull und Andy Warhol inszeniert. Ich bin natürlich entzückt :)

Published in: on Juli 25, 2010 at 1:38 nachmittags  Hinterlasse einen Kommentar  
Tags:
Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.